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17.07.2016
Heute ist Samstag. Der Samstag meiner ersten Woche am Kolleg. Ich weiß nicht, ob ich das in meinem letzten Post erwähnt habe, aber ich besuche seit Montag, also dem 12.09.2016, ein Kolleg für Kommunikations- und Mediendesign. In diesem Blogpost möchte ich euch ein bisschen darüber erzählen. Eine Kolleg-Ausbildung ist dem englischen oder amerikanischen College relativ ähnlich. Ich habe unter der Woche täglich ab 7:35 bis meistens 16:15 Unterricht. Zwei Jahre lang. Vergangenen Sonntag war ich total aufgeregt. Über fünf Jahre war es her, dass ich zuletzt in der Schule war und jetzt soll ich plötzlich wieder jeden Tag mit den selben Menschen in einem Raum sitzen und mir anhören, was die Lehrer zu sagen haben. Am Montag hatte ich also meinen ersten „Schultag“. Es ist einfach so, als wäre ich wieder 15. Irgendwie sehr ungewohnt, aber bis jetzt gefällt es mir total. Diese Woche hatte ich noch nicht alle Fächer, da der Stundenplan momentan noch etwas chaotisch ist, aber spätestens Ende nächster Woche sollte ich mir ein Bild über alle Unterrichtsgegenstände und die zugehörigen Lehrer gemacht haben können. Bisher bin ich aber mehr als zufrieden. Meine Klassenkameraden kenne ich mittlerweile schon ein bisschen. Ein ziemlich bunt gemischter Haufen.
Im Laufe der nächsten vier Semester wird sich mein Stundenplan immer wieder verändern. Das heißt ich habe nicht für die ganzen zwei Jahre, die meine Ausbildung dauert, immer die selben Fächer. Für all jene, die es interessiert, folgt nun eine Liste aller Gegenstände, die ich im ersten Semester haben werde. Die, die es nicht interessiert können einfach zum nächsten Absatz hinunterspringen.

LISTE DER UNTERRICHTSFÄCHER FÜR DAS 1. SEMESTER AM KOLLEG FÜR KOMMUNIKATIONS- UND MEDIENDESIGN:

– Betriebswirtschaft und Projektmanagement
– Design und kreatives Gestalten
– Fotografie
– Office Management
– (Business) Englisch
– Journalismus
– Netzwerktechnik und Servermanagement
– Globalwirtschaft, Wirtschaftskunde und Volkswirtschaft
– Rechnungswesen und Controlling
– Religion/Philosophie
– Printdesign
– Digitale Videotechnik
– Web-Grundlagen, -Content-Management und -Programmierung
– Angewandtes Projekt- und Catering-Management
– Digitale Fotografie- und Videoprojekte

Neben den Kreativ-Fächern werden auch einige wirtschaftliche Fächer unterrichtet. Das liegt daran, dass man das Kolleg nicht nur mit einer Diplomprüfung sondern gleichzeitig auch mit der Unternehmerprüfung abschließt. Das bedeutet man hat nach Abschluss die Möglichkeit sich selbstständig zu machen.
Ich bin jedenfalls schon sehr gespannt, was im ersten Semester alles auf mich zukommt und werde euch natürlich auf dem Laufenden halten. Fragen zu meiner Ausbildung könnt ihr mir gerne per Nachricht auf meiner Facebook-Seite stellen.

Abgesehen vom Schulstart ist vergangene Woche nicht viel passiert, deshalb kam bisher auch kein Blogpost. Ich war einfach ständig unterwegs und zu erzählen gab es auch nicht wirklich etwas. Am Montag beginnt dann endlich meine erste richtige Schulwoche mit einem (einigermaßen) geregelten Stundenplan. Außerdem trainiere ich am Montag nach über einem Jahr endlich wieder in meiner Ballettschule. Ich kann euch wirklich nicht sagen, wie lange ich mich schon auf diesen Tag freue. Berichterstattung folgt natürlich!

Bye Friends,
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Der erste Tag

So. Heute ist der erste Tag an dem ich versuche mein Leben schriftlich festzuhalten. Bevor ihr jetzt denkt, dass von nun an täglich ein Blogpost kommt: Ganz sicher nicht! Ich hab ja schließlich noch ein Leben. Haha. Oder so!
Jedenfalls dachte ich mir, bevor ich einfach so loslege stelle ich mich kurz ein wenig vor. Denn erstens habe ich lange nicht mehr regelmäßig gebloggt und zweitens stößt ja doch hier und da immer wieder einmal jemand neues zu meiner Leserschaft dazu.
(Wen das Gequatsche über mich nicht interessiert, springt am besten gleich hinunter zu der zu diesem Zwecke von mir eingefügten Linie.)

Gut. Ich heiße Hannah. Ja, so heiße ich wirklich. Nein, Ivanka ist nicht mein Nachname. Vor gut drei Monaten bin ich 23 Jahre alt geworden. WTF? Das ist schon wieder drei Monate her? Ich habe momentan wirklich das Gefühl, dass mir die Zeit davonläuft. Aber egal. Ich bin Österreicherin und lebe auch in meinem Heimatland. Seit kurzem wieder, denn da gab es zwischendurch einen zehnmonatigen Abstecher nach London. Ich liebe London. Österreich mag ich nicht so gerne, aber ich bin hier geboren und eigentlich ist es eh ganz nett. Was ich an Österreich wahrscheinlich am meisten mag ist Graz. Die zweitgrößte Stadt des Landes. Trifft sich gut, denn hier lebe ich seit fünf Jahren.
Mein beruflicher Werdegang ist bisher etwas durcheinander, aber um es kurz zu machen: Ich war schlau genug um die Matura (Abitur) zu bestehen, motiviert genug um eine Ballettausbildung abzuschließen und mutig genug als Au Pair im Ausland zu arbeiten. Das Ding ist aber das: Ich tue mir schwer damit mich nur auf eine Sache einzuschränken und da ich aufgrund einer Knieverletzung mit dem Tanzen momentan ein kleines bisschen auf Kriegsfuß stehe, habe ich mich dazu entschlossen wieder die Schulbank zu drücken. Sozusagen. Denn ab Montag (Ja! Oh mein Gott! In vier Tagen schon!) studiere ich Kommunikations- und Mediendesign. Weil ich kreativ bin. Oder so.
Schön. Das Wichtigste ist nun gesagt, ich denke der Rest ergibt sich aus allem was demnächst folgen wird.
Willkommen jedenfalls in meinem Leben und viel Spaß beim Lesen!


07.09.2016
Heute war eigentlich kein aufregender Tag, aber ich dachte ich kann ja nicht schon am ersten Tag nichts schreiben. Ich bin also heute Morgen aufgestanden und habe erst einmal den letzten Feinschliff an meinem neuen Blog-Design vorgenommen. Gefällt mir eigentlich ganz gut. Dann habe ich für meine Mama und mich gekocht. Das mache ich relativ oft, wenn ich bei meiner Mama zu Besuch bin. Erstens weil ich sehr gerne koche und zweitens weil meine Mama überhaupt nicht gerne kocht. Heute war übrigens auch der letzte Tag an dem ich meine Mama gesehen habe, bevor mein Studium beginnt. Darum habe ich heute eine Schultüte von ihr bekommen. Ich hab mich gefreut als wäre ich wieder sechs Jahre alt! Später bin ich dann wieder nach Graz gefahren, also zu mir nach Hause und habe im Auto lautstark mein Lieblingsalbum von den Arctic Monkeys gehört. Ich bin vermutlich einer der größten Arctic Monkeys Fans überhaupt! Falls ihr die Band nicht kennt, was mich eventuell ein bisschen schockieren würde, gibt es HIER einen Link zu meinem Lieblingssong.
Würde es euch gefallen, wenn ich für Bands, die ich hier erwähne, eine Spotify Playlist zusammenstelle und sie hier verlinke? Oder vielleicht einfach eine Liste mit meinen Lieblingssongs? Lasst mir gerne einen Kommentar da!

Jedenfalls war ich dann noch einkaufen und habe mir etwas zu essen bestellt. Den restlichen Abend werde ich wohl im Bett verbringen mit Netflix, Youtube und so. Ich muss ja schließlich noch meine letzten Ferientage voll auskosten, bevor der Ernst des Lebens wieder losgeht!
Übrigens habe ich mir heute, als ich einkaufen war das Kokos-Mandel Eis von der Spar Eigenmarke gekauft und es hat einfach nur göttlich geschmeckt. Kann ich wirklich sehr empfehlen.

In Zukunft werde ich euch auch immer wieder mit ein paar Listen von Dingen, die ich gerne mag, versorgen. Ist nicht nur eine schöne Erinnerung für mich selbst, weil mir sowieso alle paar Wochen andere Dinge gefallen, sondern dient euch vielleicht ab und an auch ein bisschen als Inspiration!

Somit hoffe ich, dass euch mein erster Blogpost im neuen Stil gefallen hat und ich würde mich sehr über Feedback, Anregungen und Vorschläge freuen, um das hier für euch so interessant wie möglich zu machen.

Bye Friends,
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Das Ende / Der Anfang

Bloggst du eigentlich noch?
Immer wieder, wenn Menschen mir diese Frage stellen, weiß ich nicht so recht wie ich darauf antworten soll. Ja, ich blogge noch. Nein, ich blogge momentan irgendwie doch nicht. Zumindest nicht so richtig.
Als ich am 10. Januar 2015 meinen ersten Blogpost veröffentlicht habe, hatte ich eine Idee davon, wie mein Blog aussehen sollte. Der Content, den ich in den letzten 20 Monaten produziert habe, folgt einem gewissen Schema. Ich fand das immer gut so. Wäre auch doof, wenn nicht. Immerhin kann ich hier ja tun und lassen was ich möchte.
Der Grund, wieso in den letzten Monaten so wenig von mir kam, ist eigentlich ganz einfach:
Mein Leben hat sich komplett verändert. Niemals hätte ich geglaubt, dass das in so kurzer Zeit überhaupt möglich ist. Die Veränderungen, die ich in den letzten zwölf Monaten durchlebt habe, sind alle positiv. Und trotzdem ist es gar nicht so leicht damit klarzukommen. Ich war so oft überfordert, durchwegs mit mir selbst beschäftigt und einfach so abgelenkt von allem, was passiert ist, dass ich mir nicht mehr sicher war, was ich hier – also auf dieser Website – eigentlich mache. Ob das, was ich hier so schreibe, auch wirklich noch immer das ist, was ich schreiben möchte. Die Antwort ist Nein. Ich habe mich verändert, mein ganzes Leben ist so anders, dass es mir manchmal schwer fällt einzusehen, dass ich immer noch der selbe Mensch bin. Eine Sache ist mir allerdings klar geworden: Das, was bei mir im vergangenen Jahr sozusagen im Schnelldurchlauf passiert ist, wird mein ganzes Leben lang immer so weitergehen. Wir hören doch nie wirklich auf uns zu verändern, auch wenn es nicht immer ganz so blitzartig von Statten geht.
Hätte ich vorher schon gewusst, was alles passieren wird, dann hätte ich das sehr gerne schriftlich festgehalten. Stattdessen war ich immer noch beschäftigt Texte zu schreiben, die mir zwar nach wie vor gut gefallen, mir aber in gewisser Weise einfach zu unpersönlich geworden sind.
Wie gesagt: Auf meinem Blog kann ich tun und lassen, was ich möchte. Dass es nicht schlimm ist, mein bisheriges Konzept komplett über Bord zu werfen und etwas völlig neues zu beginnen, wollte ich lange nicht so richtig einsehen.
Somit habe ich mich nun endlich dazu entschieden einen Schlussstrich unter dem zu ziehen, was ihr bisher von mir gewohnt wart und hannahivanka.com zu einem persönlichen Blog zu machen. So wie ein Tagebuch. Ich möchte damit alle weiteren Veränderungen in meinem Leben dokumentieren, vielleicht sogar mit Bildern. Ich hoffe natürlich, dass ihr mir trotzdem als Leser erhalten bleibt, auch wenn mein Leben und das, was darin so passiert, vielleicht nicht immer ganz so spannend ist. Meine Motivation zu bloggen ist jedenfalls wieder voll da!

Bis zum nächsten Mal und ein Hoch auf ein neues Kapitel (Zum letzten Mal, weil ich mir auch unbedingt einen neuen Schlusssatz zulegen möchte),
Hannah. 

Wie konnte das nur passieren?

Ja, ernsthaft!
Ich melde mich nach gefühlten 389 Jahren zurück aus der Versenkung mit einem kleinen Schwank aus meinem Leben. Ich will jetzt gar nicht lang und breit erklären wieso so lange nichts von mir kam, denn ihr könnt es euch sowieso denken: I hob mi net g’schert! (Österreichisch für „Ich hatte keine Lust!“)

Das vergangene Wochenende war traumhaft. Ich war bei meinem Freund zu Besuch, habe ultimativ gechillt und das Wetter war einfach fabelhaft! Im Garten meines Freundes gibt es einen Badeteich mit dazugehörigem Steg. Bei guten Wetterverhältnissen der wahrgewordene Traum eines jeden teint-affinen Brathuhn-Plagiators. So nenne ich Menschen, die Wert auf gebräunte Haut legen. Brrr! Wenn ich nur daran denke, wird mir übel. Ich persönlich mag meine Haut, wie ich mein polizeiliches Führungszeugnis mag: Weiß. Erst kürzlich war ich in der Drogerie um mir Make-Up zu besorgen. „Entschuldigung, gibt es diese Foundation auch in der Farbe Wasserleiche?“. Die Freundin, mit der ich an diesem Tag unterwegs war, wies mich etwas peinlich berührt auf den entrüsteten Blick der sichtlich verwirrten Drogistin hin. „Wasserleiche“ war offenbar ausverkauft. Ich musste mich mit „Light beige“ begnügen.

Als ich nach dem Wochenende mit meinem Freund wieder Zuhause war und nach einer genüsslichen Dusche einen Blick in den Spiegel warf, traf mich fast der Schlag. Nicht ungewöhnlich, wenn ich mich nackt sehe. Doch anders als sonst war mir meine Orangenhaut an diesem Tag völlig egal. Es war passiert. Mein persönlicher Albtraum! Ich hatte.. Ich hatte eine.. Ich hatte eine Tan-Line! Da ich auf Szenarien wie diese nicht eingestellt war, war auch der Defibrillator nicht in Reichweite. Es hieß also: Zusammenreißen!
Wie konnte das nur passieren? Ich hatte keine Tan-Line mehr seit dem 16. Juni 1993 um 15 Uhr 58. Und das war eigentlich gar keine Tan-Line, sondern mehr eine Blut- und Fruchtwasser-Line.. Von meiner Geburt! Nervlich völlig am Ende suchte ich also meinen dicksten Norweger Pulli aus dem Schrank und verbarrikadierte mich in meinem Schlafzimmer. Tausend Gedanken schossen mir durch den Kopf. Was konnte ich nur dagegen tun? Ah, ich weiß!
Ich nahm mein Handy zur Hand und wählte eine Nummer:
„Sonnenstudio Honolulu am Apparat, was kann ich für Sie tun?“
„Ich hätte gerne einen Termin, wenn möglich noch heute!“
„Gerne. Wie lange soll es denn dauern?“
„Am besten zwei Wochen.“
Sonnenstudios sind großartig um ungewollte Bräune wieder loszuwerden. Einfach für einige Tage auf die Sonnenbank legen, ohne sie einzuschalten und der Spuk sollte vorbei sein.
Natürlich habe ich nicht wirklich im Sonnenstudio angerufen. Ich überlege jedoch ernsthaft mir eine Packung Benzoylperoxid (Angeblich ein wirkungsvolles Bleichmittel) zu bestellen. Sollte sich das Wetter diesen Sommer nochmals ändern – seit heute ist hier nämlich nur noch Regen am Programm – werde ich in jedem Fall einige Sicherheitsvorkehrungen treffen, bevor ich das nächste Mal in der Sonne bade. Ob H&M wohl Burkas hat?

Bis zum nächsten Mal und ein Hoch auf die noble Blässe,
Hannah.

Q&A – Fragen zu meinem Auslandsjahr

Endlich!
Vor mittlerweile mehreren Wochen habe ich meine Follower bei Snapchat gebeten mir Fragen zu meiner Zeit als Au Pair in London zu stellen. Solche Q&As mache ich öfter, allerdings beantworte ich die Fragen für gewöhnlich immer direkt bei Snapchat. Solltet ihr mir dort also noch nicht folgen und an mehr Details aus meinem Leben interessiert sein: Mein Username ist hannahivanka, wie auf allen von mir genutzten Social Media Plattformen.
Dieses Mal dachte ich mir jedenfalls, dass es Zeit wäre einmal ein paar eurer Fragen direkt auf meinem Blog zu beantworten, da alles was ich bei Snapchat sage nur 24 Stunden lang verfügbar ist und es sicher immer wieder Leute gibt, die etwas verpassen. Somit gibt es hier alle knallharten Wahrheiten zu meinem Auslandsaufenthalt für die Ewigkeit festgehalten. Wow, das war jetzt ganz schön dramatisch. Ich fang‘ einfach an!
1. Wie lange bleibst du noch in London?
Heute sind es genau noch zwei Wochen. Wahnsinn, wie schnell die Zeit vergeht! Insgesamt war ich dann zehn Monate und zwei Tage hier.

2. Freust du dich schon auf Zuhause?
Ja und nein. Ihr müsst euch das so vorstellen:
Wenn man so lange von Zuhause weg ist vermisst man irgendwann ganz schön viele Dinge. In meinem Fall sind das hauptsächlich Familie und Freunde, auch meine Wohnung, mein Auto und einfach gewissermaßen mein vollkommen eigenständiges Leben. Allerdings bindet man sich über einen so langen Zeitraum auch sehr an gewisse Dinge im fremden Land. Damit meine ich zum Beispiel das Flair der Stadt, die Freundlichkeit der Menschen, meine Gastfamilie, die Möglichkeiten die man hier hat, von denen man in Österreich nur träumen kann und vieles mehr. Man baut sich ein völlig anderes Leben auf, als man es Zuhause hatte und fühlt sich auch in der Fremde irgendwann Zuhause. Es fällt mir somit wahnsinnig schwer dieses neue Leben und mein neues Zuhause hinter mir zu lassen, dafür gibt es aber auch wahnsinnig viele Dinge auf die ich mich in Österreich freue. Um ehrlich zu sein kann ich es momentan kaum erwarten!

3. Hattest du viel Heimweh?
Nein. Absolut nicht. Ich glaube ich bin generell einfach nicht so der Typ für Heimweh, hatte zudem aber auch noch wahnsinnig großes Glück mit allen Gegebenheiten hier, sodass ich einfach keinen Grund gehabt hätte jemals richtiges Heimweh zu haben.

4. Wie verstehst du dich mit deiner Gastfamilie?
Sehr gut. Meine Gastfamilie unterscheidet sich ein bisschen von den meisten, da sie sich ein Au Pair wünschen, das sehr unabhängig ist und das nicht unbedingt viel Wert darauf legt ein vollwertiges Familienmitglied zu sein. Das wusste ich natürlich bevor ich hier her kam und das war auch der Hauptgrund warum ich mich für diese Familie entschieden habe. Für viele mag das wahrscheinlich furchtbar klingen, aber für mich war es perfekt. Ich bin 23 Jahre alt und habe vor meinem Au Pair Jahr vier Jahre lang alleine in einer Wohnung gelebt, die 18 Jahre davor habe ich immer nur mit meiner Mama zusammengelebt. Plötzlich komplett in den Alltag einer großen Familie integriert zu sein wäre für mich persönlich einfach too much gewesen. Natürlich esse ich oft zusammen mit meiner Gastfamilie und unterhalte mich mit ihnen, aber grundsätzlich führen wir in meiner Freizeit unsere Leben komplett getrennt voneinander und das habe ich auf jeden Fall wahnsinnig genossen!

5. Hat sich dein Englisch sehr verbessert?
Sehr wäre vielleicht übertrieben, denn mein Englisch war auch davor schon ganz akzeptabel, aber es hat sich auf jeden Fall ein bisschen verbessert. Mein Wortschatz hat sich definitiv vergrößert und auch wenn es mir selbst nie so vorkommt, bin ich mir trotzdem ziemlich sicher, dass sich auch bei meiner Aussprache einiges getan hat.
Die Erwartung, die viele haben, dass man nach einem Jahr im Ausland die jeweilige Sprache vollkommen perfekt und akzentfrei beherrscht, kann ich jedoch verneinen.

6. Würdest du noch ein Auslandsjahr machen?
Wenn ich jünger wäre auf jeden Fall, allerdings ganz bestimmt nicht mehr als Au Pair.

7. Hast du es jemals bereut nach London gegangen zu sein und nicht beispielsweise in die USA?
Nein. Das war bei mir von Anfang an nie ein Thema. Ich wollte immer nach London, ich liebe London mehr als je zuvor und ich bin mir sicher, dass es mir an keinem anderen Ort der Welt so gut gefallen hätte, wie hier.

8. Auslandsjahr mit Freund. Geht das?
Das kann ich so nicht beantworten, denn ich denke, dass das extrem von den jeweiligen Personen abhängt. In meinem Fall kann ich sagen: Ja, es geht sogar sehr gut! Mein Freund und ich hatten allerdings einen kleinen Vorteil. Wir sind nämlich erst zusammengekommen, als ich schon in London war, was die ganze Sache meiner Meinung nach um ein vielfaches leichter gemacht hat, da wir es davor nie gewohnt waren uns andauernd zu sehen. Dennoch war es natürlich manchmal schwierig, aber ich glaube solange man mit einer Person wirklich zusammen sein möchte und die Liebe größer ist, als die Entfernung, kann es immer funktionieren. Es müssen sich eben beide vollkommen darauf einlassen und täglich so viel Kraft und Zeit in die Beziehung investieren wie nur möglich.
Wer dazu mehr erfahren möchte, kann sich auch gerne HIER meinen Blogpost über Fernbeziehungen durchlesen.

9. Wie viel verdienst du?
Als Au Pair wird man in den meisten Fällen wöchentlich bezahlt. Bei mir waren es 70 Pfund (ungefähr 100 Euro) pro Woche.

10. Hattest du jemals Streit mit deiner Gastfamilie?
Nein, kein einziges Mal.

11. Über welche Organisation hast du dein Auslandsjahr gemacht?
Über gar keine. Ich habe mich einfach auf aupairworld.com angemeldet, was eine kostenfreie Plattform ist, und habe dort nach einer Gastfamilie gesucht. Das kann ich übrigens jedem empfehlen, der ein Au Pair Jahr innerhalb von Europa machen möchte. Hier sind Organisationen wirklich mehr als überflüssig und zudem meistens auch sehr teuer. In den USA sieht es wieder anders aus, dort gibt es meines Wissens sogar eine Agentur-Pflicht, aber da kenne ich mich im Allgemeinen zu wenig aus!

12. Welche negativen Erfahrungen hast du während deiner Zeit in London gemacht?
Grundsätzlich keine. Zumindest keine, die man nicht überall macht. Nur einen einzigen Vorfall gab es, der mir so in Österreich bestimmt nicht passiert wäre. Ich wurde aufgrund meiner Herkunft nämlich aus einer Bäckerei geworfen. Auch darüber habe ich einen Beitrag verfasst. Wer also Lust hat, die ganze Geschichte nachzulesen, findet sie HIER.

13. Welche Dinge wirst du am meisten an London vermissen?
Oh Mann, wo fange ich an? Die vielen wunderschönen Plätze, die Menschen, die Tube (U-Bahn), dass so gut wie alle Läden auch an Sonntagen geöffnet sind, im Alltag Englisch zu sprechen, Golders Green, Pfund (Weil ich Euros echt hässlich finde), Marmite, Salt & Vinegar Crisps, das Wetter, Wagamama, die vielen Musicals die das ganze Jahr lang laufen, das Leben in einer Großstadt und noch so viel mehr. Ich werde einfach echt alles vermissen!

14. Was war deine beste Erfahrung während deiner Zeit im Ausland?
Das ist wirklich schwer zu sagen. Ich glaube die beste Erfahrung ist einfach das Jahr als ganzes. Zu wissen wie es sich anfühlt in einem anderen Land zu leben, eine andere Sprache zu sprechen und ein völlig anderes Leben als Zuhause zu führen.

15. Würdest du jedem ein Auslandsjahr empfehlen?
Jedem, der Lust darauf hat und dem es nicht schwer fällt sich für einige Zeit von seiner Heimat zu trennen, auf jeden Fall! Nur vielleicht nicht zwingend als Au Pair. Das ist ganz bestimmt nicht für jeden etwas.

16. Was war das schwierigste für dich während deiner Zeit als Au Pair?
Definitiv mit meinem Geld auszukommen!

17. Hast du in London viele neue Freunde gefunden?
Nein. Wobei ich sagen muss, dass Freunde finden als Au Pair wirklich das einfachste auf der Welt ist. Ich bin nur einfach grundsätzlich nicht der sozialste Mensch und lege viel Wert auf wenige sehr enge Freundschaften, als auf viele oberflächliche.

18. Würdest du gerne irgendwann komplett auswandern?
Ja. Um ehrlich zu sein war das schon immer mein Wunsch und nach diesem Jahr bin ich mir noch sicherer, dass Österreich nicht der Ort ist, an dem ich mein restliches Leben verbringen möchte. Ich denke allerdings auch nicht, dass England dieser Ort ist.

Ich hoffe ich konnte alle Fragen zu eurer Zufriedenheit beantworten. Solltet ihr noch mehr Fragen haben, wozu auch immer, könnt ihr sie mir gerne als Privatnachricht auf meiner Facebook-Seite stellen, oder natürlich auch gerne wieder bei Snapchat!

Bis zum nächsten Mal und ein Hoch auf Q&As,
Hannah.

Liebe, Reichtum, Malzessig

Kaum zu glauben!
Ich lebe noch! Aber das meine ich eigentlich gar nicht. Obwohl ich zum ersten Mal in der Geschichte von hannahivanka.com länger als einen Monat nichts von mir habe hören lassen. Was ich eigentlich meine ist, dass ich in 18 Tagen zurück nach Österreich ziehe.
Sollte das hier der erste Beitrag sein, den du von mir liest:
Ich heiße Hannah, bin (seit neun Tagen) 23 Jahre alt und lebe seit etwas mehr als neun Monaten in London. In nicht ganz drei Wochen geht es für mich allerdings wieder zurück in meine Heimat Österreich. Komisch. Ich meine das Gefühl, das ich seit einigen Tagen habe. Ich freue mich so sehr auf Zuhause, aber ich will hier einfach nicht weg. Am 13. Juli muss ich das allerdings und ich weiß noch nicht so genau, wie ich damit umgehen soll.

Vor genau einem Jahr war mein Leben ein anderes als jetzt. Und damit meine ich wirklich ein anderes Leben. Wenn ich zurückdenke, dann kann ich eigentlich nicht glauben, dass ich immer noch der selbe Mensch bin. Vor 365 Tagen hatte ich nämlich noch keine Ahnung, dass ich ein Jahr später auf fast zehn Monate in London zurückblicken können würde. Ich wusste im Juni 2015 nicht, dass ich meinen Job aufgeben würde, dass ich mich von meinem Freund trennen und meine Familie und Freunde hinter mir lassen würde, um in meine Lieblingsstadt zu ziehen. Das klingt irgendwie unglaublich und das ist es eigentlich auch. Aber es war notwendig. Definitiv.

Wer im Leben immer zu allem „Ja“ und „Amen“ sagt, wird sich vermutlich viele Freunde machen. Ob diese Freunde allerdings wirkliche Freunde sind und ob man sich selbst am Ende des Tages mit einem Lächeln schlafen legt, wage ich zu bezweifeln. Man kann alles verändern, wenn man es wirklich möchte. Das einzige was man dazu braucht ist eine ziemlich große Portion Mut.
Mut hatte ich im Juli 2015 offenbar eine ganze Menge. Denn ich habe eine Entscheidung getroffen, die mein Leben für immer verändert hat. Als ich an einem regnerischen Abend in den Sommerferien vor meinem Laptop saß und mich wahllos durch das World Wide Web klickte, traf es mich wie ein Blitz. Ich war zu diesem Zeitpunkt so unglücklich mit meinem Leben und vor allem mit mir selbst, dass ich nicht mehr wirklich wusste, wofür ich eigentlich jeden Morgen aufstehe. Das mag übertrieben klingen, aber manchmal fürchtet sich der Mensch so sehr vor der Veränderung, dass er die gewohnten Dinge in Kauf nimmt, auch wenn sie ihm nicht gut tun. Und zwar genau so lange bis er weiß, dass sich etwas ändern muss. Schwierig. Sehr schwierig. Sehr schwierig vor allem dann, wenn man bemerkt, dass es nicht nur Kleinigkeiten sind, die sich ändern müssen, sondern einfach das ganze Leben. Denn wie verändert man sein ganzes Leben? Ist das überhaupt möglich?
Um ganz ehrlich zu sein habe ich nicht daran geglaubt und so war mein spontaner Beschluss an besagtem regnerischen Sommertag mich auf der Plattform aupairworld.com anzumelden und mich nach Gastfamilien in England umzusehen eigentlich keiner von dem ich zu einhundert Prozent überzeugt war. Es war viel mehr ein Schrei nach Hilfe. Ich wollte weg. Raus aus meinem Leben, das ich so sehr gehasst habe, dass ich es einfach nicht mehr haben wollte. Nein, ich wollte mich nicht von einer Brücke stürzen oder ähnliches. Ich wollte mein Leben einfach tauschen. Mit einem besseren, aufregenderen Leben. Mit einem Leben, dessen Zukunft mir keine Angst macht, das mir keine Albträume bereitet und das mich so sein lässt, wie ich sein möchte.

Zehn Monate sind eine lange Zeit.
Hatte ich Angst, als ich am 11. September 2015 in den Flieger Richtung London eingestiegen bin? Ja. Aber nur deshalb, weil der 11. September nun einmal wirklich nicht der beste Tag zum Fliegen ist. Just saying!
Hatte ich Angst, als ich gegen 23:00 am selben Tag endlich aus dem Bus in meiner neuen Heimat Golders Green gestiegen bin? Ja. Aber nur deshalb, weil es schon dunkel war und sich in Golders Green teilweise echt seltsame Gestalten herumtreiben.
Ich hatte an diesem Tag weder Angst vor der Veränderung, noch fürchtete ich mich vor Heimweh oder anderen Dingen, die so ein Auslandsaufenthalt für gewöhnlich mit sich bringt. Alles was ich konnte war mich zu freuen, denn ich war fest davon überzeugt, dass ich die richtige Entscheidung getroffen hatte. Und ich hatte recht.
Nach zehn Monaten, in denen ich die Chance hatte mich selbst besser kennenzulernen, das Leben einer Großstädterin zu leben, täglich meine Lieblingssprache zu sprechen, zu erkennen was meine Ziele für die Zukunft sind und welche Karriere ich anstreben möchte, mich neu zu verlieben, großartige Menschen kennenzulernen und meine Heimat, zu der ich irgendwie immer ein gestörtes Verhältnis hatte, aus einem anderen Licht zu sehen, fühle ich mich als hätte sich in mir irgendein Schalter umgelegt. Ich glaube die Diskokugel in meinem Kopf ist wieder an.

Somit blicke ich auf eine Zeit voller Liebe, unfassbarem Reichtum – Ich habe hier quasi täglich im Erfahrungslotto gewonnen – und ganz viel Malzessig zurück. Ja, ich kann wohl nie wieder in meinem Leben Pommes ohne Essig essen. Oder die Britin in mir verleugnen. Aber das ist gar nicht schlimm.
In 18 Tagen betrete ich wieder österreichischen Boden und ich freue mich unendlich auf das, was mich dann erwartet. Denn nach zehn Monaten Ausland fühlt sich auch Zuhause an wie das größte Abenteuer.

See you next time and a cheer for London,
Hannah.

Rassismus geht uns alle an

Wie oft täuscht man sich im Leben?
Wahrscheinlich täglich. Und doch sind wir uns im Bezug auf so viele Dinge sicher. Oder zumindest gehen wir einfach von gewissen Tatsachen aus. Selbst wenn das im Endeffekt vielleicht auch ein wenig rassistisch ist, bin ich persönlich immer davon ausgegangen, dass ich mit meinen blauen Augen und blonden Haaren niemals mit Rassismus gegenüber mir selbst konfrontiert werden würde. Zumindest nicht in Mittel- oder in meinem momentanen Fall West-Europa. Ein beruhigendes Gefühl, denn ich persönlich finde, dass Rassismus eines der abscheulichsten Dinge überhaupt ist.
Wie gesagt, wir täuschen uns wahrscheinlich täglich und so habe auch ich mich wieder einmal gewaltig getäuscht. Aber alles von Anfang an:
Vor etwas mehr als acht Monaten bin ich nach London gezogen, genauer gesagt nach Nord-London. Ich falle hier optisch nicht sofort auf, doch bei genauerer Betrachtung irgendwie schon. In Golders Green, dem Viertel in dem ich seit beinahe einem Dreiviertel Jahr wohne, leben fast ausschließlich Juden. Da ich meinen Alltag nunmal nicht in knie-bedeckendem Rock, Wollstrümpfen und Lackschuhen bestreite, bin ich hier zwischen den jüdischen Frauen schon ein kleiner Paradiesvogel. Unter den nicht-praktizierenden Juden, tarne ich mich jedoch eigentlich trotzdem relativ gut.
Seit ich hier lebe gehe ich mindestens ein Mal pro Woche in eine kleine Bäckerei, meistens um etwas für meine Gastmutter zu besorgen. Es handelt sich um eine jüdische Bäckerei. Was auch sonst? Mission: Find eine nicht-jüdische Bäckerei in Golders Green. Erfolgsquote: Null Prozent. Das gilt übrigens nicht nur für Bäckereien, sondern für ausnahmslos alle Läden, außer die großen, britischen Supermarkt-Ketten.
Der Mann, dem die Bäckerei gehört ist wahnsinnig nett. Er winkt mir jedes Mal zu, wenn er mich an der Bäckerei vorbeigehen sieht, begrüßt mich mittlerweile schon mit meinem Vornamen und ist immer zu einem kleinen Späßchen aufgelegt. Er ist der Grund, warum es nicht möglich ist „mal eben schnell“ etwas aus der Bäckerei zu holen, denn er verwickelt mich einfach jedes Mal in ein Gespräch. Und obwohl ich solche Menschen normalerweise hasse, macht es mir bei ihm nichts aus. Ich mag ihn wirklich sehr und er mich offenbar auch.
In acht Monaten bespricht man viel. Er weiß wie alt ich bin, was ich in London mache, wie lange ich noch bleibe und so viele andere Dinge, die ich ihm schon über mich erzählt habe. Wo ich herkomme kam seltsamerweise jedoch noch nie zur Sprache. Bis heute.

Ich betrat also heute Morgen wie gewohnt die kleine Bäckerei, bestellte einen Laib Brot und fünf Bagel und wurde höflich bedient. Während mich der nette Mann nach meinem Tag fragte betraten zwei weitere Kunden, ein Mann und eine Frau, das Geschäft und stellten sich hinter mir an. Als der Mann von der Bäckerei die Preise in seine Registrierkasse eintippte, blickte er kurz auf und sagte: „Weißt du was mir letztens aufgefallen ist? Ich habe dich noch gar nie gefragt, wo du eigentlich herkommst.“
Hm, komisch. Das hatte er mich wirklich noch nicht gefragt. Ich lächelte und antwortete: „Aus Österreich.“ Für einen Moment war es so, als würde sein Blick einfrieren, doch er ließ sich vorerst nichts anmerken und widmete sich wieder der Kasse, als der Mann hinter mir einen Schritt nach vor trat und sich an den Mann von der Bäckerei wandte: „Was? Und so jemanden bedienen Sie noch? Wenn das so ist, dann werde ich von jetzt an nicht mehr hier einkaufen.“ Ohne eine Antwort abzuwarten verließ er das Geschäft. Die Frau hinter mir versuchte gute Miene zum bösen Spiel zu machen: „Ist schon in Ordnung. Sie haben es ja selbst gerade erst erfahren. Die junge Dame kann sich ja von nun an fern halten.“
Ich traute meinen Ohren nicht.
„Weißt du, wenn ich das früher gewusst hätte, dann hätte ich dich von Anfang an nicht hier einkaufen lassen. Es wäre mir sehr recht, wenn du dir vielleicht eine andere Bäckerei suchen könntest.“, wandte sich der Mann von der Bäckerei schließlich zu mir.
Was er versuchte in nette Worte zu verpacken war nichts anderes als ein Rauswurf aufgrund meiner Herkunft. Rassismus vom Feinsten. Nachdem ich den ersten Schock verdaut hatte, bezahlte ich mein Gebäck und wollte schon gehen, als ich mich noch einmal umdrehte und sagte: „Wissen Sie, ich kann Ihren Standpunkt ein wenig verstehen. Zumindest weiß ich woher er rührt. Aber worauf Sie hier anspielen liegt fast ein Jahrhundert zurück und selbst wenn es solche Menschen in Österreich, wie auch überall sonst auf der Welt, bestimmt noch gibt kann ich Ihnen versichern, dass auf keinen Fall alle so sind, schon gar nicht ich.“ Er verzog keine Miene. Erst dachte ich er wüsste nichts mehr darauf zu sagen, doch seine Antwort brachte mich erneut völlig aus dem Konzept: „Erzähl das jemand anderem, wir haben alle mitbekommen was bei eurer letzten Wahl vorgefallen ist. Österreich wird immer so sein und alle Österreicher mit dazu.“
Ich drehte mich endgültig um, trat aus dem Laden und machte die Tür hinter mir zu. Zum letzten Mal.

Ich hätte mich aufregen können, ich hätte diskutieren können, ich hätte so vieles machen können in der Hoffnung die Situation umzukehren, doch ich entschied mich letztendlich dazu das Geschäft einfach zu verlassen. Ich verurteile schon immer jegliche Form von Rassismus, doch war mir bis heute nicht bewusst wie fürchterlich es sich tatsächlich anfühlt, wenn man mit Vorurteilen über seine eigene Herkunft identifiziert wird, obwohl man selbst ganz anders ist. Was mich jedoch weit mehr schockiert hat, als die Tatsache, dass ich aufgrund meiner Nationalität aus einem Geschäft geworfen worden war, in dem ich seit über acht Monaten Kundin war, war die Aussage über die Bundespräsidentenwahl. Nicht nur, dass ich es traurig finde, was für ein Bild Österreich momentan nach aussen trägt, ich finde es noch weitaus trauriger wie viele Menschen mit Überzeugung hinter diesem Bild stehen.

Bis zum nächsten Mal und KEIN Hoch auf Rassismus,
Hannah.

! ALLE DIREKTEN REDEN WURDEN FREI AUS DEM ENGLISCHEN ÜBERSETZT !

Wo soll ich mein Kreuzerl machen?

Eine gute Diskussion braucht gute Argumente.
In den letzten Tagen wurde in Österreich mehr als heftig diskutiert. Es ging um das Ergebnis der Bundespräsidentenwahl am vergangenen Sonntag. Entsetzte Wähler der Kandidaten van der Bellen, Griss, Hundstorfer, Kohl und Lugner standen triumphierenden Sympathisanten der freiheitlichen Partei gegenüber. Norbert Hofer ging mit 36,4% der Stimmen als Etappensieger hervor.
Die Diskussionen die nach der Wahl geführt wurden und immer noch werden, waren nicht gut und sie sind es auch jetzt nicht. Wie gesagt: Eine gute Diskussion braucht gute Argumente, doch die Argumente der Österreicher scheinen etwas wage.
Ich, als Teil der schockierten Masse, die am Sonntag über das Wahlergebnis nur den Kopf schütteln konnte, habe mich im Laufe der letzten Tage durch unzählige Artikel und Kommentare gekämpft um am Ende schlauer zu sein als davor. Die Erleuchtung blieb aus. Die guten Argumente, von denen ich vorhin gesprochen habe, konnte ich genau so wenig finden, wie meine Sonnenbrille, die ich letztens verlegt habe. Und meinen Autoschlüssel.
Aber zurück zu den Argumenten:
Mich macht es wütend, dass Menschen, die bekennende FPÖ-Wähler sind und Jubelschreie in Kommentar-Form unter das Profilbild von Norbert Hofer posten, am Ende des Tages nicht zu einhundert Prozent hinter ihrer Entscheidung stehen. Damit meine ich die Menschen, die versuchen sich mit Aussagen wie „Ich habe ja nicht die FPÖ gewählt. Die Bundespräsidentenwahl ist eine reine Persönlichkeitswahl.“ zu rechtfertigen. Jetzt könnte man sagen, dass man sich für sein Kreuzerl am Stimmzettel ohnehin nicht rechtfertigen muss, weil ja Meinungsfreiheit herrscht und wir in einer Demokratie leben. Das ist auch richtig so und ich erwarte bestimmt keine Rechtfertigung für die Wahl, die jemand getroffen hat. Es geht mich ja im Grunde nichts an. Rechtfertigung erwarte ich aber für das Argument Persönlichkeitswahl.
Bei der letzten Gemeinderatswahl in meiner Heimatgemeinde habe ich auch eine Partei gewählt mit deren Ansichten ich mich auf Landes- oder gar Bundesebene nicht wirklich identifizieren kann. Ich habe diese Partei dennoch gewählt, weil ich mir den Spitzenkandidaten am besten als neuen Bürgermeister vorstellen konnte. Das rechtfertige ich damit, dass besagter Herr der meiner Meinung nach kompetenteste aller Kandidaten war.
Wer mir jetzt mit „Für mich ist eben der Herr Hofer der kompetenteste (oder gar sympathischste) Kandidat.“ kommen will, dem möchte ich eine Frage stellen: Ist Ihnen klar, welche Persönlichkeit Sie bei dieser sogenannten Persönlichkeitswahl eigentlich gewählt haben? Eine Persönlichkeit die ohne Scham rassistische Ideologien nach aussen trägt. Eine Persönlichkeit die bekennendes Mitglied der Burschenschaft Marko-Germania ist. Wenn Norbert Hofer verlautbart, dass er als Bundespräsident freilich nur das Beste für das österreichische Volk wolle, so sollte man im Hinterkopf behalten, was damit eigentlich gemeint ist. Im Grundsatz von Marko-Germania ist die deutliche Erklärung nachzulesen: „Unter Volk verstehen wir eine Schicksalsgemeinschaft, die sich (zumeist) über eine gemeinsame Herkunft, Sprache und Kultur definiert.“
Ich lasse das hier so stehen.

Ein weiteres Argument, das ich nicht ganz nachvollziehen kann ist folgendes:
„Wir haben doch momentan keine Alternative. Die anderen Parteien kriegen ja nichts auf die Reihe.“
Worauf sich dieses „momentan“ bezieht, brauche ich wohl nicht näher zu erläutern. Mir ist klar, dass das Flüchtlingsthema ein heikles ist und dass es viele Menschen gibt, die sich vor den Auswirkungen fürchten. Das möchte ich auch gar nicht herunterspielen, denn Ängste sind selten unbegründet, wobei hier ein großer Teil auch der nie enden wollenden Hetze zu verdanken ist. Ich möchte auch keine der anderen Parteien in Schutz nehmen, denn selbst ich tue mir schwer damit einer davon meine ungeteilte Sympathie zu schenken.
Das Argument mit der Alternative sehe ich allerdings so:
Ich bin seit einigen Jahren Vegetarierin. Wenn ich nun also in ein Restaurant gehen würde, in dem kein einziges vegetarisches Gericht auf der Speisekarte steht, würde ich mir dann mit den Worten „Ich habe doch keine Alternative.“ ein Wiener Schnitzel bestellen? Nein. Ich würde die Karte zuklappen, sie auf den Tisch legen und wieder gehen.
Und genau das ist die Alternative. Wer im österreichischen Parteien-Dschungel keinen Ausweg mehr sieht, der sollte zwar keineswegs auf sein Wahlrecht verzichten, doch es besteht immer noch die Möglichkeit seinen Stimmzettel unberührt in die Urne zu werfen.
Für mich ist das die effizienteste Form der sogenannten Protestwahl. Denn nach meiner Auffassung ist es ganz schön hirnverbrannt eine Person zu wählen, deren Ansichten und Meinungen gar nicht wirklich mit den eigenen konform gehen, nur um ein Zeichen zu setzen.

Sollte Ihre Entscheidung im Hinblick auf die Stichwahl am 22. Mai 2016 durch eines dieser Argumente unterstützt werden, dann hoffe ich inständig zumindest diese hiermit entkräftigt und somit zum wiederholten Nachdenken über das berühmte Kreuzerl angeregt zu haben.

Bis zum nächsten Mal und ein Hoch auf gute Argumente,
Hannah.

Offener Brief an alle wahlberechtigten Staatsbürger Österreichs

Liebe/r wahlberechtigte/r österreichische/r Staatsbürger/in,
Ich hoffe du hattest einen schönen Wochenbeginn. Mein Wochenbeginn war nicht so schön, denn mein Magen hat mir die ganze Nacht zu schaffen gemacht. Vielleicht war es die Tüte Chips, die ich vor dem Schlafen noch leer gegessen habe, vielleicht war es aber auch das Ergebnis der gestrigen Bundespräsidentenwahl. In Österreich war es gestern wie im Himmel. Nein, nicht so schön! Nur so blau. Ich dachte vorher, dass mich der Ausgang der Wahl nicht überraschen würde. Dem Herrn Hofer wurde ja bereits im Vorfeld ein gutes Abschneiden prophezeit. Doch so wie man plant und denkt kommt es eben nie. Der Herr Hofer hat nämlich nicht gut abgeschnitten, sondern grandios! Aber auch das hat mich eigentlich nicht überrascht. Nein, es hat mich absolut schockiert! Wäre das hier eine Gemeinderatswahl gewesen, dann wäre der Herr Hofer jetzt nämlich Bürgermeister von rund 2030 Gemeinden. Da haben wir ja quasi nochmal Glück gehabt! Aber zurück zum eigentlichen Thema.
Mir dreht sich immer noch der Magen um. Die Chips habe ich mittlerweile allerdings ganz bestimmt schon verdaut. Es muss also doch am Wahlergebnis liegen.
Nun frage ich dich, liebe/r wahlberechtigte/r österreichische/r Staatsbürger/in: Als du gestern nach einer heißen Partynacht zum Wahllokal getorkelt bist, was hast du dir gedacht? Hast du dich geärgert, weil du die süße Blondine im Club nicht nach ihrer Nummer gefragt hast? Oder hast du dir vielleicht Sorgen gemacht, dass deiner Mama die Semmelbrösel für’s Wiener Schnitzel ausgegangen sind und sie keine kaufen gehen kann, weil ja Sonntag ist? Hast du still über den Sinn des Lebens philosophiert? Oder hattest du bereits damit zu kämpfen die Angst vor dem Montag zu unterdrücken?
Und dann, als du den Stimmzettel vor dir liegen hattest, was hast du denn da gedacht? Hast du erstaunt festgestellt, dass sich der Herr Hundstorfer mit hartem T schreibt? Oder hast du versucht dich daran zu erinnern, wie das aktuelle Schoßhunderl vom Mörtel Lugner heißt? Hast du an deine Kindergartenzeit gedacht, als dir immer die gelbe Schaufel in der Sandkiste viel besser gefallen hat als die blaue? Oder hast du an den Döner gedacht, den du beschlossen hast dir am Weg nach Hause mitzunehmen, wegen der Semmelbrösel-Krise im Hotel Mama?
Na wunderbar! Ich hoffe all diese Dinge haben sich mittlerweile geklärt und du kannst dich von nun an auf das Wesentliche konzentrieren. Es gibt nämlich gute Neuigkeiten für dich!
Am 22. Mai 2016 (27 Mal noch schlafen) bekommst du noch eine Chance. Ich meine, jeder hat eine zweite Chance verdient, oder? Sogar dann, wenn du gestern das Bett mit dem Wahllokal, die blaue mit der gelben Schaufel oder gar den Stimmzettel mit Tic-Tac-Toe verwechselt hast! In vier Wochen hast du tatsächlich noch einmal das Recht mit all deinen Mitbürgern, die über 16 sind, gemeinsam über den zukünftigen Bundespräsidenten Österreichs zu bestimmen. Toll oder?
Diesmal ist es dann auch gar nicht mehr so schwierig wie gestern. Es gibt nämlich nicht mehr so viele Auswahlmöglichkeiten. Genauer gesagt gibt es eigentlich nur noch  zwei: Norbert Hofer und Alexander van der Bellen.
Wenn du dir jetzt nicht ganz sicher bist, wer wohl die bessere Wahl ist, weil du nicht einmal weißt, wie die beiden eigentlich aussehen, dann hier eine kurze Personenbeschreibung:
Der Herr van der Bellen ist dieser nett-wirkende, ältere Herr mit Brille im Gesicht (das ist das offizielle Erkennungszeichen für Menschen mit Sehschwäche, seit Monokel out sind).
Der Herr Hofer ist dieser ebenso nett-wirkende, mittelalte Herr mit Kornblume am Sakko (das war das offizielle Erkennungszeichen illegaler Nazis in den 1930er Jahren, nachdem Hakenkreuze verboten wurden).
Damit will ich dir jetzt nicht suggerieren, dass du nach dem Aussehen entscheiden solltest, aber jetzt wo du weißt wonach du Ausschau halten musst, findest du im Internet bestimmt einige hilfreiche Artikel, die dich in Sachen Wahlprogramm auf den neuesten Stand bringen!
Nazis finde ich persönlich übrigens nicht so cool. Das nur am Rande.
Wenn es also dann soweit ist und du deine zweite Chance nutzen kannst, überlege dir eines gut: Möchtest du bei allen künftigen Wahlen wieder die Möglichkeit haben am Weg nach Hause einen Döner mitzunehmen, falls deine Mama das mit dem Schnitzel nicht auf die Reihe bekommt? Nun, der Döner ist eines der bekanntesten Gerichte aus der türkischen Küche. Deliziös! Die Türkei ist nur leider kein Wiener Stadtbezirk, sondern ein Land in Vorderasien und Südosteuropa. Nazis finden Menschen aus Vorderasien und Südosteuropa nicht so cool. Hab‘ ich zumindest gehört!
Gut. Dann bleibt mir eigentlich nicht mehr viel, als dir eine schöne Woche zu wünschen und zu hoffen, dass dein Hangover bereits vollständig kuriert ist. Und versprich mir bitte nur eine einzige Sache: Wenn du dich wirklich absolut nicht zwischen der Brille und der Kornblume entscheiden kannst, dann beweg‘ deinen Hintern trotzdem aus dem Bett, lass‘ den Stift in der Kabine liegen und wirf deinen Stimmzettel leer in die Wahlurne. Das tut auch gar nicht weh. Ehrlich!

Alles Liebe und bis bald,

deine Hannah

P.S.: Wusstest du, dass es in Österreich 2100 Gemeinden gibt? Keine Ahnung, wie ich darauf jetzt komme!

 

 

 

 

 

 

 
2100